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»MARIA STUART - Ein König*innendrama«

Regie: Sebastian Kreyer

Eine Produktion vom Theaterhaus sechzig90 / Euro Theater Central Bonn / Produktionsbüro Petra P.

„Baby, I was born this way.“ (Lady Gaga)

Als Gast der Pekinger Universität wurde Angela Merkel von Student*innen gefragt, wie es sich anfühle, als Frau eine Regierung zu leiten. Angela Merkel erwiderte, dass die Frage nicht einfach zu beantworten sei, weil sie noch nie ein Mann gewesen sei und daher nicht wisse, wie es sich für einen Mann anfühle.
Schiller schuf mit seinem Trauerspiel zwei Archetypen mächtiger Frauen.
Für das Kollektiv Produktionsbüro Petra P. eine Vorlage par excellence:
Dem Kampf der Diven um Leben und Tod ist mit Dezenz nicht beizukommen. Sie kleiden Schillers Pathos in Paillette, lesen das Drama quer und queer, von hinten und nicht von vorn.

„Das ist Trash vom Feinsten. […] Es wird geflucht, geblödelt, gekeift und gefurzt - und doch schwingt hinter den grellen Bildern den schrillen Figuren stets mehr mit.“
(Bonner Generalanzeiger)

Wie (Geschlechter-)Konstruktionen / Rollenbilder, die klassische dramatische Vorlagen wie Schillers „Maria Stuart“ mittradieren, sichtbar zu machen sind, ist nur ein Thema der theatralen Forschung des Künstlerkollektives. Da oft erst die Überzeichnung dessen, was gemeinhin als normal gilt, einen anderen, neuen Blickwinkel auf diese „Normalität“ erlaubt, nehmen sie sich „Maria Stuart“ als Travestiespektakel an: konzentriert auf nur drei Darsteller tarieren sie die Spielräume zwischen Genderdebatte und Maskerade, queerer Theorie und Glamour, klassischem Versmaß und Zote aus.

„Das Anarchische dient als Werkzeug, um festgefahrene Rollenbilder zu zerschlagen, und gleichzeitig als Kontrastmittel zu jenen Passagen, die dann doch etwas nachdenklicher werden.“
(Bonner Generalanzeiger)

Ein bewusst nicht didaktisches, vielmehr dialektisches Experiment: Aufdeckung von Geschlechterkonstruktionen bei maximaler (Spiel-)Freude an und mit allen Klischees - bis Kopf und Vorhang fallen.


Veranstaltungsort: Großes Haus | Veranstaltungsdauer: 80 Min. keine Pause

Eintritt: VVK 12 Euro | AK 14 Euro
Ermäßigt: VVK 9 Euro | AK 11 Euro


Veranstalter: Theaterhaus sechzig90 in Kooperation mit Kultur123 Stadt Rüsselsheim, Kultur & Theater

Zu den Akteuren:
2017 schlossen sie sich als queere Performancegruppe zusammen, um das zu erzählen, was sie an festen Theaterhäusern nicht erzählen konnten. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeiten ist die Auseinandersetzung mit Travestie als theatraler Kunstform.
Daniel Breitfelder und Johannes Brüssau performen, Sebastian Kreyer führt Regie, spielt oftmals aber ebenfalls mit. Zusammen konzipieren sie ihre Arbeiten, schreiben die Texte, zeigen sich selbst verantwortlich für Musik und Ausstattung.

2018 Premiere der ersten Produktion, „Der Wind hat mir kein Lied erzählt“ am Theater Bonn: eine Hommage an Travestieshows vergangener Tage, ein „[…] wilder Ritt durch alle Höhen und Untiefen des Genres mit Momenten, in denen aus dem Trash ganz große Kunst wird und die Travestie zu mehr als bloßem Amüsement.“ (Bonner Generanzeiger)
Dieser Abend war bereits 2019 am Theater Rüsselsheim zu Gast. Es folgte die Produktion „Viel gut essen“ von Sibylle Berg. »MARIA STUART - Ein König*innendrama« ist nun die dritte große Arbeit des Kollektives.

Daniel Breitfelder, freischaffender Schauspieler. Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule München. Engagements u.a. am Theater Bonn, Staatstheater Hannover, Münchner Kammerspiele, Schauspiel Essen und an den Wuppertaler Bühnen u.a. mit den Regisseur*innen Alice Buddeberg, Volker Lösch, Sebastian Kreyer und Claudia Bauer. Breitfelder ist seit 2009 Mitglied des hessischen Kunstvereines sechzig90, ebenso Mitbegründer der queeren Bonner Veranstaltungsreihe Chin Chin. Außerdem ist er u.a. mit seiner Figur des Rhein Rangers und über den Verein Save the world e.V. als Klimaaktivist tätig.

Johannes Brüssau, Tänzer und Darsteller. Ausbildung an der UdK Berlin. Engagements u.a. am Stadttheater Bielefeld, Schauspiel Bochum, Theater Bonn, an der Neuköllner Oper sowie an der dänischen Nationaloper Aarhus. In Berlin wirkte er in "Cabaret" (Tipi) sowie "La Cage aux Folles" (Bar jeder Vernunft) mit, am Theater Chemnitz in "Flashdance" und "The Scarlet Pimpernel". Außerdem war er 2018 Re-Performer für Marina Abramovic in der Bundeskunsthalle Bonn.

Sebastian Kreyer, freischaffender Regisseur. Studium der Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig / FU Berlin. Regieassistenz am Schauspiel Köln. Einladung des Regiedebüts „Die Glasmenagerie“ zum Festival „Radikal Jung" 2013. Seitdem freischaffend. Arbeiten u.a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Staatstheater Dresden, an den Stadttheatern Bremen / Bonn, an den Volkstheatern München / Wien, am Schauspielhaus Zürich sowie Arbeiten in der Freien Szene, u.a. am Theater im Bauturm Köln. Die erste Arbeit dort, „Trude Herr oder: Es ist besser, in der Sahara zu verdursten, als in Köln Lindenthal zu sitzen und auf die Rente zu warten“ wird für den Kölner Theaterpreis 2017 nominiert.

Daniel Breitfelder und Johannes Brüssau leben in Bonn, Sebastian Kreyer in Köln.